Mikrobiom (Darmmikrobiom)
Mikrobiom (Darmmikrobiom) · Das Darmmikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze, Archaeen) im menschlichen Darm – ein Ökosystem von Billionen Organismen, das Immunregulation, Stoffwechsel und Hirnfunktion beeinflusst.
Das menschliche Darmmikrobiom umfasst schätzungsweise 38 Billionen Mikroorganismen – mehr als menschliche Zellen im Körper. Diese Gemeinschaft aus Bakterien, Viren, Pilzen und Archaeen bildet ein komplexes Ökosystem, das weit mehr tut als Nahrung zu verdauen.
Funktionen des Darmmikrobioms:
- Immunregulation: Etwa 70 % des Immunsystems sitzen im darmassoziierten lymphatischen Gewebe (GALT). Das Mikrobiom trainiert T-Zellen, moduliert die Zytokin-Produktion und stärkt regulatorische T-Zellen (Tregs).
- Darm-Hirn-Achse: Darmbakterien kommunizieren über den Vagusnerv, über Metaboliten (kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat) und über Neurotransmitter-Vorstufen (Serotonin, GABA) mit dem Gehirn.
- Metabolismus: Produktion von kurzkettigen Fettsäuren, Vitaminsynthese (B-Vitamine, Vitamin K), Gallensäure-Metabolismus.
- Barrierefunktion: Ein gesundes Mikrobiom stärkt die intestinale Barriere – die Schleimhautschicht, die verhindert, dass Pathogene und Toxine in den Blutkreislauf gelangen.
Mikrobiom bei CFS/ME:
Giloteaux et al. (2016) zeigten, dass CFS/ME-Betroffene eine signifikant reduzierte mikrobielle Diversität aufweisen. Bestimmte antiinflammatorische Stämme (z. B. Faecalibacterium prausnitzii – ein Hauptproduzent von Butyrat) waren vermindert, proinflammatorische Stämme erhöht. Die reduzierte Diversität korrelierte mit der Schwere der Entzündungsmarker.
Die Dysbiose bei CFS/ME ist nicht nur Folge, sondern möglicherweise Mitursache: Eine gestörte Darmflora kann die intestinale Barriere schwächen (Leaky Gut), was eine systemische Immunaktivierung durch bakterielle Translokation auslöst. Gleichzeitig beeinträchtigt die gestörte Darm-Hirn-Kommunikation über den Vagusnerv Kognition, Stimmung und autonome Regulation.
, Die MOJO Perspektive
Für Ärztinnen und Ärzte bietet das Drei-Systeme-Modell einen strukturierten Rahmen, um die klinisch häufige Überlappung von neurologischen, immunologischen und metabolischen Befunden nicht als Komorbiditäten, sondern als systemische Regulationsstörung zu interpretieren.
Quellen & Referenzen
- Reduced diversity and altered composition of the gut microbiome in individuals with myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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