Dysbiose
Dysbiose · Dysbiose bezeichnet ein quantitatives oder qualitatives Ungleichgewicht der Darm-Mikrobiota – reduzierte Diversität, Verlust schützender Bakterienarten (z. B. Bifidobakterien, Faecalibacterium prausnitzii) und/oder Zunahme potenziell pathogener Spezies. Dysbiose ist bei IBS-Patienten konsistent nachweisbar.
Das menschliche Darmmikrobiom umfasst Billionen von Mikroorganismen – Bakterien, Viren, Pilze, Archaeen. Cryan & Dinan (2012) beschreiben es als Schlüsselkomponente der Darm-Hirn-Achse: Das Mikrobiom kommuniziert mit dem ENS und dem ZNS über bakterielle Metaboliten (kurzkettige Fettsäuren, Neurotransmitter-Vorstufen), Immunsignale und direkte Nervenstimulation.
Dysbiose bei IBS:
Enck et al. (2016) dokumentieren konsistente Veränderungen:
- Reduzierte mikrobielle Diversität
- Verminderte Bifidobakterien und Lactobazillen
- Verminderte Butyrat-Produzenten (z. B. Faecalibacterium prausnitzii)
- Erhöhte Proteobakterien (potenziell proinflammatorisch)
- Veränderte Firmicutes/Bacteroidetes-Ratio
Konsequenzen der Dysbiose:
- Reduzierte Produktion kurzkettiger Fettsäuren (Butyrat, Propionat, Acetat) → gestörte Darmbarriere
- Veränderte Gallensäure-Metabolisierung → Motilitätsstörungen
- Erhöhte LPS-Produktion → niedriggradige Immunaktivierung
- Veränderte Tryptophan-Metabolisierung → gestörte Serotonin-Produktion
Huhn oder Ei?
Ob Dysbiose Ursache oder Folge von IBS ist, bleibt offen. Wahrscheinlich besteht ein bidirektionaler Zusammenhang: IBS-typische Faktoren (gestörte Motilität, Stress, veränderte Sekretion) verändern das Mikrobiom – und das veränderte Mikrobiom verstärkt wiederum IBS-Symptome.
Postinfektiöser Reizdarm:
Thabane et al. (2007) zeigten: Nach einer akuten Gastroenteritis entwickeln 10–15 % der Betroffenen IBS – der postinfektiöse Reizdarm. Dies deutet darauf hin, dass eine akute Störung des Mikrobioms eine langfristige Dysregulation auslösen kann.
, Die MOJO Perspektive
Dysbiose ist kein einfaches „zu wenig gute Bakterien". In der Regenerationsmedizin verstehen wir das Mikrobiom als Ökosystem – mit Nahrungsketten, Nischen und Gleichgewichten. Eine Dysbiose ist ein Ökosystem in der Krise. Die Lösung liegt nicht in einem einzelnen Probiotikum, sondern in der Wiederherstellung der Bedingungen, unter denen ein gesundes Ökosystem gedeiht: Ballaststoffe, Diversität, Essensabstände, Stressreduktion.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Reduzierte Diversität und verminderte schützende Bakterien sind bei IBS konsistent nachweisbar (Enck et al., 2016).
- 2Das Mikrobiom kommuniziert mit dem Nervensystem über bakterielle Metaboliten und Immunsignale (Cryan & Dinan, 2012).
- 3Postinfektiöser Reizdarm: 10–15 % entwickeln nach Gastroenteritis IBS (Thabane et al., 2007).
- 4Dysbiose und IBS stehen in bidirektionalem Zusammenhang – jedes verstärkt das andere.
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Quellen & Referenzen
- Mind-altering microorganisms: the impact of the gut microbiota on brain and behaviour
- Irritable bowel syndromeEnck P., Aziz Q., Barbara G. et al. – Nature Reviews Disease Primers (2016) DOI: 10.1038/nrdp.2016.14
- Systematic review and meta-analysis: the incidence and prognosis of post-infectious irritable bowel syndromeThabane M., Kottachchi D.T., Marshall J.K. – Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2007) DOI: 10.1111/j.1365-2036.2007.03399.x
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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