Reizdarmsyndrom (IBS)
Reizdarmsyndrom (IBS) · Das Reizdarmsyndrom (Irritable Bowel Syndrome, IBS) ist eine funktionelle Störung der Darm-Hirn-Interaktion (DGBI), gekennzeichnet durch wiederkehrende Bauchschmerzen in Verbindung mit Stuhlgangsveränderungen – ohne strukturelle oder biochemische Erklärung in der Standarddiagnostik.
Das Reizdarmsyndrom betrifft weltweit 5–10 % der Bevölkerung und ist eine der häufigsten gastroenterologischen Diagnosen. Drossman (2016) definierte die Rome-IV-Kriterien, die IBS als Disorder of Gut-Brain Interaction (DGBI) klassifizieren – ein Paradigmenwechsel weg von der reinen Ausschlussdiagnose.
Rome-IV-Kriterien:
Wiederkehrende Bauchschmerzen an durchschnittlich mindestens einem Tag pro Woche in den letzten drei Monaten, assoziiert mit mindestens zwei der folgenden Merkmale:
- Zusammenhang mit der Defäkation
- Veränderung der Stuhlfrequenz
- Veränderung der Stuhlform (Bristol Stool Scale)
IBS-Subtypen:
- IBS-D (Diarrhö-dominant): Vorwiegend weicher/wässriger Stuhl
- IBS-C (Obstipation-dominant): Vorwiegend harter/klumpiger Stuhl
- IBS-M (Mixed): Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
- IBS-U (Unclassified): Keinem Subtyp klar zuordenbar
Pathophysiologie – ein multifaktorielles Geschehen:
Enck et al. (2016) beschreiben IBS als Resultat multipler, interagierender Mechanismen: viszerale Hypersensitivität, gestörte Darmmotilität, veränderte Darm-Hirn-Kommunikation, Dysbiose, niedriggradige Schleimhautentzündung, erhöhte Darmpermeabilität und psychosoziale Faktoren. Ford et al. (2020) betonen die Rolle der Darm-Hirn-Achse als zentrales pathophysiologisches Bindeglied.
IBS ist keine Ausschlussdiagnose mehr:
Die Rome IV-Klassifikation (Drossman, 2016) hat IBS von einer Ausschlussdiagnose zu einer positiven Diagnose gemacht: Wer die Kriterien erfüllt, hat IBS – unabhängig davon, ob „alles andere ausgeschlossen" wurde. Das reduziert unnötige diagnostische Odysseen.
, Die MOJO Perspektive
In der Regenerationsmedizin verstehen wir IBS als Ausdruck einer gestörten Darm-Hirn-Achse – nicht als „nervösen Darm" oder psychosomatische Befindlichkeit. Drei Systeme interagieren: das enterische Nervensystem (der „zweite Gehirn"), das Immunsystem der Darmschleimhaut (Mastzellen, T-Zellen) und das Mikrobiom. IBS ist eine Regulationsstörung an dieser Schnittstelle – und als solche adressierbar.
Das Wichtigste in Kürze
- 1IBS betrifft 5–10 % der Weltbevölkerung und ist eine der häufigsten gastroenterologischen Diagnosen (Enck et al., 2016).
- 2Rome IV klassifiziert IBS als Disorder of Gut-Brain Interaction – nicht mehr als Ausschlussdiagnose (Drossman, 2016).
- 3Vier Subtypen: IBS-D (Durchfall), IBS-C (Verstopfung), IBS-M (gemischt), IBS-U (unklassifiziert).
- 4Multifaktorielle Pathophysiologie: Darm-Hirn-Achse, viszerale Hypersensitivität, Dysbiose, Immunaktivierung (Ford et al., 2020).
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Häufige Fragen
Ist IBS eine psychosomatische Erkrankung?
Quellen & Referenzen
- Functional Gastrointestinal Disorders: History, Pathophysiology, Clinical Features and Rome IV
- Irritable bowel syndromeEnck P., Aziz Q., Barbara G. et al. – Nature Reviews Disease Primers (2016) DOI: 10.1038/nrdp.2016.14
- Irritable bowel syndrome
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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