Sympathikus & Parasympathikus
Sympathikus & Parasympathikus · Sympathikus und Parasympathikus sind die zwei Hauptzweige des autonomen (vegetativen) Nervensystems. Der Sympathikus aktiviert (Fight-or-Flight), der Parasympathikus beruhigt (Rest-and-Digest).
Das autonome Nervensystem (ANS) steuert alle unwillkürlichen Körperfunktionen und besteht aus zwei antagonistischen Zweigen:
Sympathikus (Fight-or-Flight):
Aktiviert bei wahrgenommener Bedrohung oder Belastung: Herzfrequenz steigt, Blutdruck steigt, Atemfrequenz erhöht sich, Pupillen erweitern sich, Verdauung wird gehemmt, Muskelspannung steigt. Neurotransmitter: Noradrenalin, Adrenalin. Evolutionär: Vorbereitung auf Kampf oder Flucht.
Parasympathikus (Rest-and-Digest):
Aktiviert bei Sicherheit und Erholung: Herzfrequenz sinkt, Blutdruck sinkt, Verdauung wird angeregt, Immunsystem regeneriert, Reparaturprozesse laufen. Hauptnerv: Vagusnerv. Neurotransmitter: Acetylcholin. Evolutionär: Erholung, Verdauung, Fortpflanzung.
Bei gesunden Menschen wechseln beide Systeme flexibel zwischen Aktivierung und Erholung – die Herzfrequenzvariabilität (HRV) ist ein Marker für diese Flexibilität.
Bei CFS/ME ist dieses Gleichgewicht fundamental gestört. Tracey (2002) beschrieb, wie der Vagusnerv über den inflammatorischen Reflex Entzündung moduliert – bei CFS/ME ist dieser Mechanismus eingeschränkt. Die Konsequenz: chronische Sympathikus-Dominanz. Das autonome Nervensystem steckt im „Alarmmodus" fest.
Die klinischen Folgen:
- Tachykardie, Hypertonie (Sympathikus-Überschuss)
- POTS beim Aufstehen (gestörter Baroreflex)
- Verdauungsprobleme (Parasympathikus-Mangel → reduzierte Darmmotilität)
- Schlafstörungen (Sympathikus-Dominanz verhindert Tiefschlaf)
- Reduzierte Immunregulation (der antiinflammatorische Vagus-Pathway ist geschwächt)
- Reduzierte HRV als messbarer Marker
Die autonome Balance ist kein Entweder-Oder: Gesundheit bedeutet flexible Regulation – die Fähigkeit, schnell zwischen Sympathikus und Parasympathikus zu wechseln. Bei CFS/ME ist genau diese Flexibilität verloren gegangen.
, Die MOJO Perspektive
Coaches begleiten Veränderungsprozesse im Alltag — das Drei-Systeme-Modell zeigt ihnen, warum nachhaltige Verhaltensänderung nicht nur Willenskraft erfordert, sondern auch die biologischen Grundlagen in Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel adressieren muss, damit neue Gewohnheiten physiologisch verankert werden.
Quellen & Referenzen
- The inflammatory reflex
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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